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Festakt anlässlich des 80. Geburtstages von Ingolstadts Alt-Oberbürgermeister Peter Schnell

(ty) Das wird es wohl so schnell nicht mehr geben, das der bayerische Ministerpräsident einem Geburtstagskind gleich dreimal persönlich gratuliert, einmal privat, einmal im Rahmen einer Parteiveranstaltung und einmal bei Festakt. Für Peter Schnell hat Horst Seehofer es getan. Und er fand heute Abend im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt einfühlsame Worte für seinen Freund und politischen Weggenossen bei dem Festakt anlässlich des 80. Geburtstages von Alt-OB und Ehrenbürger Peter Schnell, dessen Menschlichkeit und dessen respektvoller Umgang mit den Bürgern ebenso wie mit den politischen Mitstreitern legendär war und das Klima Ingolstadt wohl auf Generationen hinaus verändert hat. „Wir kämpfen heute gegen die Klimaerwärmung“, hat Seehofer es formuliert, „Peter Schnell hat zu seiner Zeit für die Klimaerwärmung gekämpft, für die des Klimas zwischen den Menschen.“

Zunächst war Oberbürgermeister Christian Lösel indes an der Reihe. Und der zählte akribisch auf, was in Ingolstadt alles entstanden ist in der langen Amtzeit von Peter Schnell, welche Weichen er gestellt hat, welche Entwicklungen begründet. Die Liste war lang. Aber längst nicht lang genug um alles zu erwähnen, was in Ingolstadt den Stempel von Peter Schnell trägt. Es ist ja auch nicht einfach für Christian Lösel, so eine Laudatio zu halten. Denn er wurde zwei Jahre nach der erstmaligen Wahl von Schnell zum Ingolstädter OB gerade mal geboren. „Als Peter Schnell 2002 nach 30-jähriger Amtszeit als Oberbürgermeister ausschied, war er mit Abstand der dienstälteste OB einer deutschen Großstadt. Der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel habe seinerzeit bei der Wahl Schnells im  Mai 1971 einmal gesagt, Peter Schnell sei nicht nur verhältnismäßig jung, sondern auch unverhältnismäßig gescheit. „Das mit dem unverhältnismäßig gescheit hat sich erhalten, das mit dem verhältnismäßig jung hat sich – wenn auch nur etwas – relativiert“, so Lösel. Er sei die Verkörperung des Oberbürgermeisters schlechthin gewesen.

Mit 58,6 Prozent war Schnell bei seiner ersten Wahl zu OB gewählt worden. Sechs Jahre später bei seiner Wiederwahl vereinte er sogar 71,2 Prozent der Stimmen auf sich. Alleine das ist ein Zeichen, wie beliebt „unser Peter“ in der Bevölkerung in nur einer Amtszeit geworden ist. „Eine seiner ersten Entscheidungen war es, den Standort des Klinikums zu wechseln“, so Lösel. Das Klinikum sollte damals nämlich auf den Volksfestplatz gebaut werden. Wie fatal das gewesen wäre, kann jeder ermessen, der die Dimensionen des Klinikums kennt. Peter Schnell hat die Stadt geprägt wie kein zweiter, wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell. Würde man alles hier aufzählen was auf ihn zurückgeht, was während seiner Amtszeit entstanden ist, dann würde sich unweigerlich die Frage stellen, was nach ihm eigentlich noch wesentliches passiert ist. Klinikum, GVZ, diverse Museen, unendlich viele Schulen, das Theater, das Georgische Kammerorchester. All das trägt den Namen Peter Schnell. Und das Kammerorchester fasste den Abend denn heute auch musikalisch: Und auch das Theater sorgte stilgerecht für etwas Auflockerung zwischen den Reden.

Er hat die Stadt geprägt. Und die respektvolle Art, mit Menschen umzugehen zudem. Das in Worte zu fassen war Horst Seehofers Part. „Wenn ich in München Staatsgäste empfange, dann präsentieren wir immer Dinge der bayerischen Geschichte, Bleibendes für unser Land. Peter Schnell hat Bleibendes geschaffen. Er hat unserer gemeinsamen Heimatstadt buchstäblich seinen Stempel aufgedrückt. Vieles was er gemacht hat, wirkt heute noch nach und wird für Generationen wirken“, so der Ministerpräsident, „er war ein ganz neuer Politikertypus. Alles was er angepackt hat, hat eine ganz große Portion Mut verlangt.“

Seehofer erinnerte auch daran, wie arm die Stadt war, als Peter Schnell sein Amt antrat. So arm, dass es sogar staatlicher Programm bedurfte, um die Stadt beispielsweise eine Audi-Krise überstehen zu lassen.

„Du hast die Stadt zum Industriestandort entwickelt. Und gleichwohl ist sie Kulturstadt geblieben“, so Seehofer, „und ein zweites, was Dir zuzuschreiben ist, das war das Klima, dass Du in dieser Stadt hergestellt hast. Du hast in Deine Politik von der ersten Minute an den Menschen in den Mittelpunkt gestellt und uns jungen immer wieder beigebracht, wie notwenig und wichtig es ist, jeden Menschen unabhängig von seiner Herkunft und seinem Stand mit Respekt zu behandeln.“

Respekt war auch das Wort, das die Dankensworte des Jubilars beherrschte. „Was ihr ausgeführt habt, das hat mich beinahe berauscht“, sagte Peter Schnell zu Christian Lösel und Horst Seehofer und witzelte, „ich habe mir fest vorgenommen, ich muss dem widersprechen. Denn das glaubt keiner, was da vorgetragen worden ist. So wie ich das heute gehört habe, habe ich es immer sonst immer nur von mir selber hören müssen.“

Er schlug aber auch kritische Töne an. „Wir sind nicht gefeit, dass auch wieder schwierigere Zeiten kommen“, meinte er mit Blick auf die aktuelle VW-Krise, die die Stadt merklich belastet“, es gibt schon einige Indizien dafür, die wir noch nicht ernst nehmen. Aber es kann sein, dass sich irgendwann – hoffentlich nach uns – der Wind wieder dreht. 

„Jeder Mensch, auch der gröbste Typ, ist dankbar, wenn er noch einen Funken Achtung erfährt.“, sagte Schnell, „es lohnt sich, den anderen mit Respekt zu behandeln. Es lohnt sich deswegen, weil man auf diese Weise Freund gewinnt. Und ich hätte ohne die vielen Freunde im Stadtrat, in der Verwaltung und in der Bürgerschaft nie zu diesen Erfolgen gefunden.“ Und nannte ein paar Beispiele aus seiner Amtszeit, in denen politische Entscheidungen nur deswegen zum Erfolg geführt hätten, weil man respektvoll miteinander umgegangen sei.

Mit einem Dank für die Lobpreisungen – „Ich habe mich schon halb im Himmel gesehen“– verließ der Star des Abends dann das Rednerpult, um beim anschließenden Stehempfang das zu tun, was er immer getan hat: Mit jedem reden, verbindlich, nett, charmant und klug.

 

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